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Gründernotizen aus Äthiopien

Von The Terminal an die Frontlinie

Hey Moyeesta,

Unser Reiseleiter Guido war wieder in Äthiopien.

Um Kaffeebauern zu besuchen, sich mit unseren Teams auszutauschen und zu sehen, wie es mit unserem Kaffee, unseren Wäldern und unseren Plänen läuft.

Aber zuerst musste er überhaupt erst einmal ins Land kommen – und das erwies sich als etwas komplizierter als erwartet.

Sein neuer Reisepass war mit seinem alten Visum verknüpft. Also: erneut beantragen. Noch einmal bezahlen. Neue Dokumente organisieren. Warten. Und noch länger warten.

Nach zwei Tagen am Flughafen von Addis fühlte er sich langsam eher wie Tom Hanks in The Terminal als wie der Gründer eines Kaffeeunternehmens.

Zum Glück haben wir in Äthiopien ein großartiges Team. Während er am Flughafen festsaß und wartete, fuhren sie tagelang von Büro zu Büro, um alle Dokumente erneut in Ordnung zu bringen.

Schließlich hat es geklappt. Und dann konnte die eigentliche Reise beginnen.


Guido über

„die Frontlinie“

Nach einer langen Fahrt kam ich an einen Ort, der buchstäblich an der Frontlinie der Entwaldung liegt. Schau dir das Foto unten an. Links: riesige Bäume, die erst vor Kurzem gefällt und verbrannt wurden. Rechts, nur wenige Meter entfernt: genau dieselben Bäume, noch lebendig.

Ein Fluss dazwischen, aber zwei völlig unterschiedliche Zukünfte. Es erinnerte mich an die Maginot-Linie. Nur dass diese hier nicht zwischen Frankreich und Deutschland verläuft – sondern zwischen Entwaldung und Regeneration. Dahinter steckt eine unbequeme Wahrheit, die wir nach zehn Jahren FairChain immer besser verstehen: Armut ist ein Treiber der Entwaldung.

Wir sprechen viel über Klimawandel und Kaffee. Zu Recht.

Aber über die andere Seite der Geschichte sprechen wir viel weniger. Wenn ein Bauer nicht genug verdient, um von der Landwirtschaft leben zu können, bekommt ein jahrhundertealter Baum plötzlich einen Preis: als Brennholz, Bauholz oder zusätzliche Ackerfläche.

Also verschwindet er. Und dann kommt die Rechnung: mehr extreme Niederschläge, mehr Erosion, schlechtere Böden, geringere Kaffeeerträge … nicht gerade ein überzeugender Business Case.

Also: mehr Bäume pflanzen? Auf jeden Fall. Aber das reicht nicht. Denn man kann heute tausend Bäume pflanzen und sie morgen wieder verlieren, wenn ein Bauer immer noch kein ausreichendes Einkommen verdienen kann.

Deshalb machen wir es anders. Wir arbeiten mit Kaffeebauern an „regenerativer Agroforstwirtschaft“. Einfach gesagt: Kaffee wird mit Mango, Avocado, Pfeffer und einheimischen Schattenbäumen kombiniert. Weniger Abhängigkeit von einer einzigen Kultur. Mehr Einkommen. Mehr Biodiversität. Mehr Widerstandsfähigkeit. Mehr Wald!

Und jetzt kommt das Interessante: Einer Bauernfamilie bei dieser Umstellung zu helfen, kostet rund 200 €. Damit kann man eine Familie dabei unterstützen, ein Landwirtschaftssystem aufzubauen, das mehrere Einkommensquellen schafft und gleichzeitig den Wald schützt. Das ist keine Wohltätigkeit – sondern schlicht ein verdammt guter Business Case.

Die Schlussfolgerung: Das Gegenteil von Entwaldung ist nicht ein Baum. Es ist ein Bauer, der ein gutes Einkommen verdienen kann.


Denn wenn ein Wald im Stehen mehr wert ist als abgeholzt, lohnt es sich plötzlich, ihn zu schützen.


Und dennoch erhalten Kleinbauern weltweit weniger als 1 % der Klimafinanzierung. Weniger als 1 %. Dabei produzieren sie rund ein Drittel unserer Lebensmittel und stehen mitten in der Klimakrise.

Wir stecken Milliarden in Klimalösungen, aber die Menschen, die jeden Tag an vorderster Front stehen, haben kaum Zugang zu diesem Geld. Verrückt, oder?

Deshalb frage ich mich immer öfter: Warum finanzieren wir weiterhin einzelne Projekte, wenn wir stattdessen revolvierende Fonds aufbauen könnten, die immer wieder neu investiert werden können?

Ein FairChain Forest & Farmers Fund zum Beispiel. Eine gesunde Rendite auf das eingesetzte Kapital. Ein riesiger Gewinn für Bauern, Wälder und die Zukunft. Klingt doch logisch, oder? 😉

Die ursprüngliche Maginot-Linie hatte ein Problem: Sie stand still. Unsere nicht. Sie wächst – mit jeder Saison, mit jedem Bauern und mit jedem Baum.

Meine nächste Founder’s Note wird von den Bauern hinter unserem Kaffee handeln. Sie sind die wahre Frontlinie.

Every sip counts,

Guido

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